Rechtsanwältin Daniela Löhr

      Informationen zu Scheidung und Unterhalt

Zugewinnausgleich

Wie wird das Vermögen bei einer Scheidung ausgeglichen?

Wenn die Ehegatten keinen anderslautenden Ehevertrag geschlossen haben, liegt in der Regel automatisch der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft vor. Die Zugewinngemeinschaft sieht vor, daß jeder Ehegatte während der Ehe eigenes Vermögen hat und das Vermögen erst am Ende einer Ehe zwischen den Eheleuten ausgeglichen wird, sei es durch Tod oder Scheidung. Der Zugewinnausgleich  wird vom Gericht bei einer Scheidung nur durchgeführt, wenn ein Ehegatte es beantragt.


Das Grundprinzip - Berechnung

Es wird zunächst für jeden Ehegatten das sogenannte Anfangsvermögen ermittelt. Das Anfangsvermögen ist das Vermögen, das jeder Ehegatte am Tag der Heirat hatte. Dem Anfangsvermögen werden Erbschaften und Schenkungen Dritter hinzugerechnet. Schulden werden jeweils abgezogen und mindern das Anfangsvermögen bis hin zum Minusbetrag.

Dann wird für jeden das Endvermögen ermittelt. Der Stichtag für das Endvermögen ist das Vermögen, was die Ehegatten am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages beim Antragsgegner hatten (ein Ehegatte beantragt die Scheidung, beim anderen Ehegatten stellt das Familiengericht den Scheidungsantrag zu, dieser Tag wird durch Postzustellungsurkunde dokumentiert und ist der Stichtag für das Endvermögen). Schulden mindern das Endvermögen bis Null.

Nun ermittelt man bei jedem Ehegatten die Differenz zwischen Anfangsvermögen und Endvermögen. Von der Differenz muß derjenige, der mehr hat, als der andere Ehegatte, die Hälfte abgeben.

Beispiel:

Die Ehefrau hat zu Beginn der Ehe 10.000 Euro, am Ende der Ehe 50.000 Euro. Der Zugewinn der Ehefrau beträgt daher 40.000 Euro.

Der Ehemann hat zu Beginn der Ehe 0 Euro und am Ende der Ehe 100.000 Euro. Der Zugewinn des Ehemannes beträgt daher 100.000 Euro.

Die Differenz zwischen dem Zugewinn der Eheleute beträgt 60.000 Euro (100.000 Euro - 40.000 Euro). Von den 60.000 Euro muß der Ehemann der Ehefrau die Hälfte abgeben. Die Ehefrau hat also gegen den Ehemann einen Zugewinnausgleichsanspruch in Höhe von 30.000 Euro.


Was ist Vermögen beim Zugewinnausgleich?

Grundsätzlich ist es also so, daß jedes Bankkonto, was auf dem Namen der Ehefrau angelegt ist, dem Aktivvermögen der Ehefrau zugeordnet wird. Genauso ist aber auch der Autokredit, der auf den Namen der  Ehefrau läuft und noch nicht abgezahlt ist, dem Passivvermögen der Ehefrau zuzuordnen.

Ebenso ist das Wertpapierdepot des Ehemannes dessen Aktivvermögen zuzuordnen.

Das Sparbuch, daß auf den Namen eines Kindes angelegt ist, ist Vermögen des Kindes und spielt beim Zugewinnausgleich keine Rolle.

Es ist also zunächst einmal zu sortieren, welchem Ehegatten welcher Vermögensgegenstand zuzuordnen ist und wer welche Schulden/Darlehensverbindlichkeiten hat. Als Vermögensgegenstände zählen (nicht abschließend):

-Bargeld

-Bankkonten

-Wertpapierdepots

-Lebensversicherungen

-Schmuck, Münzsammlungen etc.

-Immobilien

-Antiquitäten, sofern sie einen Wert besitzen